Montag, 30. Dezember 2013

Lehrlinge können Eignungstests fälschen

Lehrbetriebe setzen seit Längerem auf Eignungstests, da Schulzeugnisse nicht verlässlich genug sind. Ein Berufswahlschullehrer zweifelt jetzt an der Sicherheit dieser Tests.

Die Lehrstellensuche für 2014 läuft auf Hochtouren. Für die Betriebe gestaltet sich die Suche nach den richtigen Lernenden als zunehmend schwierigere Aufgabe. Viele beklagen sich etwa, dass die Sek-Zeugnisse nicht mehr verlässlich genug seien, um die Bewerber richtig zu vergleichen. Die Noten würden je nach Schule und Lehrer stark variieren.
Aus diesem Grund setzen die Lehrbetriebe seit Längerem auf zusätzliche Eignungstests, bei denen alle Jugendlichen die gleichen Fragen zu den gleichen Bedingungen beantworten müssen. Martin Volke*, Lehrer an einer Berufswahlschule, zweifelt nun an der Verlässlichkeit dieser Tests gegenüber der Zeitung «Der Landbote». Wie er kürzlich festgestellt hat, lassen sich die Ergebnisse relativ einfach fälschen. «Wenn ich das per Zufall herausfinde, wissen das die computerversierten Teenager schon längst», sagt Volke.

Fälschen leicht gemacht dank PDF-Dokument

Der am weitesten verbreitete Zusatztest im Kanton Zürich heisst Multicheck. Die Resultate werden nicht per Post verschickt, sondern können als PDF-Dokument heruntergeladen werden. Genau dort liegt das Problem: Digitale Dokumente können deutlich einfacher gefälscht werden als ein Papier mit Stempel, Unterschrift und Wasserzeichen. Es braucht nicht einmal eine kostenpflichtige Software.
Auch Adrian Krebs, Geschäftsführer der Multicheck AG, bestreitet dies nicht. Heutzutage könne man schliesslich jedes Dokument relativ leicht fälschen: «Entscheidend ist, ob Fälschungen erkannt werden können oder nicht.» Im Falle des Multichecks seien im Resultatsblatt mehrere geheime Hinweise versteckt. Dies scheint aber bei den Betrieben noch nicht angekommen zu sein. Peter Lehmann, Ausbildungsverantwortlicher bei den Pflegezentren der Stadt Zürich, wusste beispielsweise nicht, dass er nach geheimen Hinweisen Ausschau halten muss: «Ich bezweifle, dass wir eine Fälschung erkennen würden, sofern es keine offensichtliche Eingriffe gibt, wie etwa überklebte Stellen.» Rund 300 Bewerbungen inklusive Multicheck landen pro Jahr auf seinem Pult.

Jährlich werden 15 Fälschungen bekannt

Laut Multicheck-Geschäftsführer Krebs können die Unternehmen bei einem Fälschungsverdacht die Resultate auf ihrer Website überprüfen. Jährlich würden so 15 Fälschungen ans Tageslicht kommen - bei 30'000 durchgeführten Tests. Wer auffliegt, wird bei der Polizei gemeldet und muss mit einer Anzeige wegen Urkundenfälschung rechnen.

Freitag, 27. Dezember 2013

CVP will Schülern Anstand lehren


Die gute alte Sittenlehre wird neu belebt. Im neuen Parteiprogramm fordert die CVP, Schülern Werte beizubringen.


Früher waren solche Dinge wie Anstand und Toleranz selbstverständlich. Sie waren allen bekannt. Das sagt Ida Glanzmann, CVP-Vizepräsidentin. Heute ist das offenbar so anders, dass die Partei dem Problem im neuen Programm einen eigenen Abschnitt widmet.
Davon war im Grundsatzpapier von 2004 noch nicht die Rede! Dabei strebt die Partei aber kein Gegeneinander an. Die Schule soll die Bestrebungen der Eltern unterstützen.
Die CVP will ein leistungsfähiges Bildungssystem. Sie fordert, dass neben den Grundkompetenzen auch soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Anstand, Respekt, Toleranz, Kritik- und Kompromissfähigkeit, Hilfsbereitschaft und Konfliktlösungsstrategien unterrichtet werden.
Die Jungen sollen diese Kompetenzen wieder kennen, ergänzt die Luzerner CVP-Nationalrätin: 
Das gehört zur Allgemeinbildung.
Unterstützt wird Glanzmann  von Parteikollegin und Bildungspolitikerin Kathy Riklin (CVP, Zürich). Auch für sie handelt es sich hier um eine Grundkompetenz, die im Unterricht integriert werden kann.
Es brauche deswegen keine neuen Schulstunden. Aus meiner Sicht wären Schulreisen, Klassenwochen oder Klassenlager sehr geeignet. Da ­könne so ganz nebenbei vieles in Sachen Sozialkompetenz vermittelt werden, betont die Zürcher Bildungspoliti­kerin.
Noch ist das neue Programm der CVP nicht in Stein gemeisselt. Es wird erst am 11. Januar diskutiert und verabschiedet.
Das Papier geht noch weiter: 
Die CVP fordert auch einen gezielten Einsatz gegen Gewalt an Schulen. Wie das gemacht wird, bleibt Sache der Lehrer. Sie müssen Null-Toleranz einfordern. Das braucht auch Fingerspitzengefühl, betont Riklin. Dabei gehe es nicht nur um physische Gewalt. Auch Mobbing in den sozialen Medien wie Facebook soll bekämpft werden.

Riklin:

Auch hier muss einfach sofort und konsequent eingeschritten werden.