Donnerstag, 2. Januar 2014

Erziehung Mit Anlauf ins Fettnäpfchen

Wie wir auf Jugendliche zugehen, so spiegeln sie uns – und oft sind wir dann schockiert. Was Erwachsene im Umgang mit Teenagern unbedingt vermeiden sollten.


Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück: eine Binsenwahrheit. Doch allzu oft klingt es bei Jugendlichen ganz anders zurück, als wir gerufen haben: vorlaut, abwertend, verletzend. Dabei haben wir es doch 
«nur gut» mit ihnen gemeint. 

Wer weiss, was man vermeiden sollte, hats besser:

«Wir sind die besten Freunde»

Mit der betonten Freundschaftshaltung setzen wir uns auf dieselbe Ebene mit dem Teenager. Wer künstlich auf «jung» macht, mit dem Nachwuchs in die Disco geht 
und sich anzieht wie 16-Jährige, macht sich lächerlich. Mit dieser Haltung wird man von Jugendlichen nicht ernst genommen. Eine gesunde Hierarchie hingegen gibt dem jungen Menschen mehr Halt, Klarheit und Sicherheit. Darauf ist er in der Jugendphase besonders angewiesen. Das schliesst nicht aus, «bestens» miteinander auszukommen.

«Ich bin der Boss, du musst parieren»

Das andere Extrem. Es wird gelebt von denjenigen Erwachsenen, die glauben, auf diese Weise ihre Rolle gut zu erfüllen. Doch ein zu grosses Machtgefälle schafft Distanz statt Vertrauen. Kein Wunder, wenn Teenager hier kaum von sich aus über Dinge sprechen, die sie beschäftigen. Sture Ansichten und Prinzipienreiterei machen Jugendliche bockig. Hingegen hilft ein grösseres Mitspracherecht, denn dieses fördert das jugendliche Engagement. Öfter ein ernst gemeintes Lob ist ebenfalls ein guter Schritt zur Korrektur der elterlichen Haltung.

«Als ich so alt war wie du…»

Vergleiche mit der Zeit von damals sind 
für Jugendliche kaum identitätsstiftend. Die heutige Zeit ist anders. Ausserdem sind Pubertierende so stark auf sich selber konzentriert, dass es sie kaum interessiert, was früher war. Wer mit der Retro-Haltung auffährt, läuft Gefahr, von sich auf den Sohn oder die Tochter zu projizieren. Man möchte, dass er oder sie das realisiert, 
wovon man selber einmal geträumt hat. Hier hilft es, zu sagen: «Das ist dein Leben, mach das Beste für dich draus!»

«Um dich mache ich lieber einen Bogen»

Wer zu Jugendlichen auf Distanz geht, strahlt Unsicherheit aus. So verhalten sie sich spiegelgleich irritiert oder abweisend. Eine solche Distanz ermöglicht weder 
Beziehung noch Vertrauen. Dagegen hilft nur der erste Schritt auf jemanden zu: 
Echtes Interesse an der Welt des Teenagers zeigen und entsprechende Fragen über Sport, Freizeit, Freunde oder Idole stellen – das kann das Eis brechen.
Doch keine Angst, bei all diesen Verhaltensregeln gilt: Fehler sind erlaubt – ja sogar erwünscht. Denn wie schrecklich wären perfekte Eltern oder solche, die es zu sein glauben. Wer mit (vermeintlichen) Über­eltern aufwächst, kann selber kaum gross werden. Das Gefühl, es den Eltern nie recht machen zu können, begleitet daher manchen bis weit ins Erwachsenenalter. Zu den eigenen Fehlern stehen und 
Jugendlichen recht geben, wenn es der Verstand verlangt – das gehört zu einem wahren Vorbild, zu dem ein junger Mensch vertrauensvoll aufschauen kann.

1 Kommentar:

Heinz Hartmann hat gesagt…

Eltern sollen ihren Nachwuchs zu leistungsfähigen Menschen erziehen, aber auch Raum lassen zum Kind-Sein. Die Zöglinge sollen selbständig sein, aber dabei keinen Blödsinn anstellen und sich bitte auch anpassen können. Sie sollen mitdenken, aber nicht alles hinterfragen.

Erziehung nach Gutdünken und Bauchgefühl kommt heute gesellschaftlich nicht mehr an. Gute Eltern halten sich über Erziehungsfragen auf dem Laufenden und setzen sich fundiert mit dem Thema aus­einander. Die Eltern suchen nach dem ‹Richtigen› und wissen nicht, wofür sie sich entscheiden sollen.

Noch immer sind viele der Ansicht, Eltern seien für alles verantwortlich, was der Nachwuchs ausfrisst. Unsere immer älter werdende Gesellschaft, die tendenziell an Kinderfreundlichkeit verliert, wünscht sich nach wie vor klare Verantwortlichkeiten. Bei Alkoholexzessen, Schmierereien und Schlägereien wollen sie Schuldige sehen.

Doch die Möglichkeiten, den Nachwuchs zu formen, sind längst nicht mehr so gross. Die Rolle der Väter und Mütter fokussiert sich immer mehr auf jene eines Coachs, Andere Einflussgruppen nähmen an Bedeutung zu: Krippen und Horte, Schulen, Vereine, Freunde, soziale Medien. Innerhalb der Familien führt die sinkende Toleranz der Gesellschaft für Kinder zu mehr Solidarität.Eltern stellen sich teils radikal vor ihre Töchter und Söhne und verteidigen sie gegenüber Lehrpersonen und anderen Instanzen.

Der Einfluss sinkt, die Ansprüche sind eher gestiegen. Eine verfahrene Situation. Dabei haben Eltern heute das gleiche Ziel wie schon ihre Eltern und Grosseltern: Sie wollen gute Väter und Mütter sein und für ihre Kinder nur das Beste. Aber in den letzten Jahren haben sich zu diesem Ziel einige Aspekte hinzugesellt.Eltern haben zusätzlich den Anspruch, auch eine gute Paarbeziehung zu führen, bei der Arbeit eine gute Figur zu machen, Freundschaften zu pflegen und sich als Individuum weiterzuentwickeln. Entsprechend sind dadurch die Ansprüche komplexer geworden.