Erwachsene klagen gerne, Lehrlinge seien weniger tüchtig als früher. Ich habe da aber ein ganz anderes Bild und versuche die Probleme der Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft zu verstehen. Deshalb habe ich diesen Blog erstellt und möchte mit meinen Beiträgen euere Meinung zu diesem Thema "Ausbildung von Jugendlichen" teilen.
Donnerstag, 27. März 2014
Ausbildung für alle: ein Muss
Überlegungen zur beruflichen Erstausbildung
Zu den wichtigen Entscheidungen im Leben gehört die Berufswahl. Heute sind Jugendliche mehr denn je mit drei grundsätzlichen Fragen konfrontiert: Welche Berufsrichtung passt zu mir? Welche Ausbildung eröffnet mir einen vertrauenswürdigen Weg in die Zukunft? In welchem Berufsfeld finde ich eine Lehrstelle? Durch diese Fragen werden nicht nur die Jugendlichen herausgefordert und manchmal auch überfordert. Ebenso erfahren Eltern und Angehörige, Lehrkräfte, Ausbildungsbetriebe und Berufsberater den Druck, der auf den Jugendlichen lastet. Auch Wirtschaft und Politik müssen in der Ausbildungsfrage Farbe bekennen. Von ihren Entscheidungen hängt es ab, mit welcher Realität Jugendliche bei der Berufswahl und in der Ausbildung konfrontiert werden. Es wird heute immer deutlicher: Wer über keine Ausbildung verfügt, hat kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Ohne Ausbildung keine Aussichten
Personen ohne abgeschlossene Ausbildung sind überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit, Aussteuerung und Löhnen unter dem Existenzminimum betroffen. Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren noch verstärkt, da es immer weniger gute Stellen für unausgebildete und wenig qualifizierte Personen geben wird.
Zwei unterschiedliche Ausbildungswege
Für Jugendliche stehen grundsätzlich zwei Ausbildungswege offen: der allgemein bildende Weg über das Gymnasium und der berufsbezogene Weg über die duale Lehre (Ausbildung in Schule und Betrieb). Rund zwei Drittel der Jugendlichen wählen den zweiten Weg. Damit hat die Schweiz europaweit den höchsten Anteil an Jugendlichen, die sich über eine Berufslehre auf das Erwerbsleben vorbereiten. Allerdings bestehen grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Kantonen.
Wirtschaftliche Faktoren beeinflussen den Lehrstellenmarkt
Im dualen System sind es die Betriebe, welche die Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen und die Lehrverträge abschliessen. Sie entscheiden darüber, ob, wie viele und welche Jugendliche eine Lehrstelle erhalten. Die Anstellung erfolgt dabei weitgehend nach betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Die zentrale Frage lautet häufig: «Rentiert ein Lehrling?» statt «Befähigt die Ausbildung zum Erwerbsleben?» Der Lehrstellenmarkt reagiert damit mehr auf aktuelle wirtschaftliche Faktoren als auf die Zukunftsfragen der Jugendlichen. So wächst das Lehrstellenangebot bei positiver wirtschaftlicher Erwartung, nimmt aber ab, wenn die Aussichten getrübt sind. Ebenso können Ausbildungsreglemente das Lehrstellenangebot beeinflussen. Haben die Betriebe das Gefühl, ein Reglement verlange von ihnen ein zu grosses Engagement und mache eine Ausbildung unrentabel, so ziehen sie sich aus der Lehrlingsausbildung zurück. Branchenverbände halten teilweise an Ausbildungswegen mit wenig echten Zukunftsaussichten fest.
Familie:
Unterstützung und Begleitung Gerade in der Phase des Übergangs von der Kindheit ins Erwachsenleben brauchen junge Menschen ein familiäres Beziehungsnetz, auf das sie sich wirklich verlassen können, das sie in ihren Entscheidungen kritisch unterstützt und in schwierigen Phasen solidarisch begleitet.
Die Frage stellt sich allerdings: wer unterstützt die Eltern bei ihrer schwierigen Aufgabe?
Auszubildende:
Selbstverantwortung übernehmen Eine Ausbildung kann nur ihr Ziel erreichen, wenn ein junger Mensch letztlich bereit ist, sich zu engagieren. Er braucht den Willen, Schritt für Schritt Selbstverantwortung zu übernehmen.
Das Wohl aller im Auge behalten
Das Gemeinwohlprinzip hält dazu an, das Wohl der Andern bzw. aller im Auge zu behalten. Die Erfüllung dieses Prinzips ist anspruchsvoll, da unter den Menschen Unterschiede bestehen was Begabungen, Fähigkeiten und Ausgangssituationen betrifft. Nicht alle können alles gleich gut. Es gibt Stärkere und Schwächere, Begabte und weniger Begabte. Im Umgang mit den Unterschieden mahnt das Gemeinwohlprinzip dass nicht einige übermässige Vorteile auf Kosten anderer oder weniger erhalten, bzw. einige übermässig benachteiligt werden. Es stellt sich die Frage: Wie kann und soll im Bildungswesen mit den Unterschieden umgegangen werden?
Schulschwächere Jugendliche fördern statt separieren
Unser Schulsystem schiebt schulschwächere Jugendliche durch die Dreiteilung der Orientierungsstufe in das unterste Anspruchsniveau ab. Sowohl pädagogisch wie ökonomisch macht dies keinen Sinn. Oft ist es Ausdruck einer Diskriminierung, die den Menschenrechten und der Würde der Betroffenen widerspricht. Die Auszubildenden des untersten Anspruchsniveaus müssen näm lich die vorenthaltene Bildung nachholen, um überhaupt eine Chance auf dem Lehrstellenmarkt zu haben. Sinnvoller ist ein integratives Schulmodell, in dem Schulschwächere systematisch von Unterstützungsmassnahmen profitieren können. Gleichzeitig muss aber vermieden werden, dass damit das Niveau und die Lernziele reduziert werden.
Leistungsstarke Jugendliche für die duale Berufsbildung erhalten und gewinnen
Die duale Bildung hat nur dann eine Zukunft, wenn auch leistungsstarke Jugendliche für die Lehre gewonnen werden können und diese nicht alle ins Gymnasium drängen.
Fazit:
Ausbildung tut für alle not, um im heutigen Arbeitmarkt bestehen zu können. Aber sowohl der Wettbewerbsdruck auf die Betriebe, die erhöhten Erwartungen an die Jugendlichen wie auch die finanziellen Engpässe des Staates schmälern die Chancen der Jugendlichen auf eine Ausbildung. Für zu viele Jugendliche beginnt daher der Eintritt in die Berufswelt mit der Erfahrung, dass man sie nicht braucht.
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