Die Betreuung und Rekrutierung der Informatiker Lehrlingen bei der VP Bank ist seit zwei Jahren ein Teil meiner täglichen Arbeit.
Dabei habe ich viele Eindrücke und die Problematik bei deren Rekrutierung und Ausbildung bekommen. Ich habe mich deshalb intesiv in meiner Tätigkeit als Ausbildner über das Verhalten und den Stellenwert unserer Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft befasst und diverse Seminare besucht. Ich habe mich mit den Jugendlichen und deren Ausbildnern über Bewerbungen, sowie Zukunft unterhalten und konnte die Problematik auf beiden Seiten kennen lernen.
Aufwand für Rekrutierung steigt
Damit wir unsere Lehrstellen besetzen können, muss ich mich unter anderem auf den frühzeitigen Kontakt mit den Jugendlichen konzentrieren. Für Schulen müssen wir Betriebsbesichtigungen und Einblicke in die verschiedenen Berufe anbieten und für Eltern einen Informationsabend. Jugendliche haben auch jederzeit die Möglichkeit, eine 2 Tägige Schnupperlehre bei uns zu absolvieren. Diese ist für den Selektionsprozess massgebend und benötigt immer mehr Aufwand. Dieser Prozess ist in der VP Bank zum grossen Teil Realität und wird stets den gegebenen Bedingungen angepassst.
Was bringt die Zukunft?
In Zukunft wird der Aufwand für die Rekrutierung geeigneter Lehrlinge allgemein ansteigen. Nach einer ersten Selektion der Dossiers und einem Interview führen wir eine Art Mini-Qualifikation mit den Lehrlingen durch. Das führt zwar zu einem hohen Initialaufwand, dafür hatten wir bis jetzt noch keinen Abbruch der Lehre. Der Aufwand jedoch ist nötig, weil die Qualität der Bewerbungen häufig schlecht ist und weil sich viele Jugendliche melden, die sich für den Beruf nicht eignen und die Voraussetzungen gar nicht erfüllen können.
Wo sind die Lehrstellen?
Mädchen finden, der Informatiker-Beruf sei ein Bürojob, Jungen haben eher ein Technik-Image präsent. Nur 13 Prozent der Befragten denken bei der Informatik an einen innovativen, kreativen und kommunikativen Beruf. Drei Monate nach Lehrbeginn hat sich für die meisten Lernenden (58%) das Image positiv verändert, für 37 Prozent ist es gleich geblieben und für 5 Prozent hat sich das Bild verschlechtert.
Für die Branche dürfte die Herausforderung vor allem darin liegen, den Informatikberuf für Mädchen attraktiver zu machen. Denn Frauen in der Informatik sind immer noch selten. Überhaupt müssten aber mehr Lehrstellen geschaffen werden. Fast die Hälfte der Befragten hat die Lehrstellensuche als mittel- bis sehr schwierig empfunden. Ein Drittel der Jugendlichen mussten mehr als zehn Bewerbungen schreiben, um zu einer Lehrstelle zu kommen.
Die heutige Rekrutierung läuft leider so ab
Banken ködern gute Schüler immer früher.
Sie schliessen Lehrverträge immer öfter bereits in den ersten Tagen des letzten Schuljahres ab. Die künftigen Lehrlinge haben somit viel zu wenig Zeit, sich zu bewerben. Bewerbungen sind auch nicht mehr kreativ genug, um sich ein Bild des Jugendlichen zu machen (Standard Formulare der Schulen).
Bis vor kurzem galt unter Firmen in der Region Graubünden ein "Gentlemans Agreement", das heistt, Lehrstellen nicht vor dem 1. November im Vorjahr zu vergeben. Leider habe ich am eigenen Leib erfahren müssen, dass vor allem die Grossbanken immer früher die besten Schüler an sich binden. Diese frühe Berufswahl überfordere viele 14 Jährige.
Ich habe mir folgende Frage gestellt
Wie kann man das verhindern?
Bereits 2005 wurde in der Zentralschweiz das Projekt «Fairplay» lanciert. Teilnehmende Betriebe verpflichteten sich, frühestens im neunten Schuljahr mit der Lehrlingsauswahl zu beginnen und den Jugendlichen eine Bedenkzeit einzuräumen. Das Projekt scheiterte jedoch, weil sich nicht alle Betriebe daran hielten.
Bei meiner Ausbildung als Lehrmeister wurden mir folgende Versprechungen gemacht. Die Kantone werden keine Lehrverträge vor dem 1. September des neunten Schuljahrs genehmigen. Doch Betrieb und Schüler können natürlich schon vorher Vereinbarungen treffen. Die Lehrverträge wären ja im Obligationenrecht geregelt, aber der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ist staatlich nicht steuer oder überprüfbar. Mit der Genehmigung der Lehrverträge können die Kantone den Prozess beeinflussen, aber nicht kontrollieren. Der Bundesrat erachtet es nicht als seine Aufgabe, staatliche Massnahmen zu prüfen, allenfalls auszuarbeiten und dadurch den Handlungsspielraum der Lehrbetriebe einzuschränken.
Zusätzliche staatliche Regulierungen für die Lehrbetriebe schaffen administrative Hürden und beeinflussen die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe negativ. Das ist leider im Fürstentum Liechtenstein genau so.
Während die guten Schüler bereits früh unter Vertrag genommen werden, haben Jugendliche mit schulischen Defiziten nach wie vor Mühe, einen Ausbildungsplatz zu finden, obwohl Tausende von Lehrstellen offen bleiben.
Doch genau das steigert den Druck auf Jugendliche, die keine Lehrstelle gefunden haben, obwohl sie ja noch genügend Zeit hätten. Aus Angst nehmen dann viele das erstbeste Angebot an und merken leider zu spät, dass die Stelle nichts für sie ist. Das führt zu Lehrabbrüchen und unzufriedenen Betrieben.
Eine schnelle und gerechte Lösung wird es leider auch in Zukunft nicht geben.
Die Unternehmen locken die besten Schüler schon im Sommer mit einem Lehrstellenvertrag und bringen so andere Firmen in Zugzwang. Das heisst für mich, das die VP Bank ebenfalls gefordert ist, unsere Lehrlinge so früh wie möglich auf unsere Bank zu lenken.
1 Kommentar:
Bei der Rekrutierung haben wir leider bei den KV Lehrlingen die selben Probleme. Schade, dass man immer wieder die selben Fehler macht und die zuständigen Ämter eh alles durchwinken.
Flavio Zindel
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