Seit Jahren bemüht man sich, die Grenzen zwischen Frauen- und Männerberufen aufzuweichen. Vergebens, zeigt jetzt eine Erhebung des Kantons Zürich zum heutigen Zukunftstag.
Die Schreinerin geht zur Arbeit, während ihre Kids von einem Kindergärtner betreut werden: Von dieser Vision sind wir in der Schweiz noch weit entfernt. Die Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Zürich hat die 2013 abgeschlossenen Lehrverträge ausgewertet. Das Fazit: Trotz Gender-Workshops an Schulen, Technik-Schnupperkursen für Mädchen und sensibilisierten Berufsbildnern wollen Mädchen immer noch lieber Krankenschwester werden als Bauingenieurin. «Die elterlich-familiäre und gesellschaftliche Einstellung zur beruflichen Ausbildung beeinflusst die Wahl der Kinder noch immer sehr stark», fasst die Fachstelle zusammen.
Und tatsächlich sprechen die Resultate für sich. Im Kanton Zürich haben sich dieses Jahr ein Viertel aller Mädchen, die eine Lehre begonnen haben, für eine KV-Stelle entschieden. Rund 15 Prozent wollen Fachfrau Betreuung werden, fast nochmals soviele streben einen Abschluss im Bereich Pflege/Gesundheit an. Es folgen Coiffeuse, Dentalassistentin und Verkäuferin. Drei Viertel der jungen Frauen verteilen sich auf nur elf Berufe. Beim männlichen Geschlecht ist die Palette breiter: Hier stehen auf der Hitliste 26 Berufe, darunter Elektroinstallateur, Automobil-Mechatroniker und Maurer.
Ausbildung für Frauen galt als überflüssig
Soziologin Diana Baumgarten vom Zentrum Gender Studies der Universität Basel erstaunen diese Zahlen nicht: «Kinder werden von Geburt an geprägt von allem was sie sehen und erleben. Solange also in vielen Köpfen typische Buben- oder Frauenbilder verankert sind, wird es auch so weitergegeben.» Um das zu ändern, seien gemeinsame Anstrengungen - unter anderem an den Schulen und in der Berufsberatung - notwendig. «Aber schlussendlich ist die gesamte Gesellschaft gefragt.» Von den aktuellen Ergebnissen entmutigt sei sie nicht. «Steter Tropfen höhlt den Stein.» Und wenn man bedenke, dass vor 40 Jahren eine Berufsausbildung für Frauen häufig noch als überflüssig angeschaut wurde, habe man doch schon viel erreicht.
Ein solcher Tropfen soll auch der heute stattfindende Nationale Zukunftstag sein. Jungen und Mädchen der 5. bis 7. Klasse können ihre Eltern in deren Betriebe begleiten. Für Mädchen werden zudem mehrere Programme in den Bereichen Bau, Informatik und Technik angeboten, während die Jungs mehr über Jobs in der Betreuung, Pflege und Pädagogik erfahren sollen. Doch der Zukunftstag hat auch Kritiker auf den Plan gerufen. So wollen etwa Ostschweizer SVP-Politiker die ganze Übung abblasen. «Zu teuer und ohne Wirkung» sei das Ganze. «Natürlich kann ein einzelner Tag keine grundlegende Veränderungen bewirken», räumt Baumgarten ein. Er helfe aber den Jugendlichen dabei, ihr eigenes Verständnis von «typisch Frau» und «typisch Mann» zu überdenken.

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