Mittwoch, 20. November 2013

Die Kinder von heute sind Schwächlinge


Eine grosse, internationale Studie zeigt: Die Jungen von heute sitzen besser als sie laufen. Ihre Fitness ist im Vergleich zu der ihrer Eltern im gleichen Alter klar schlechter.

Die Jugend von heute kann mit den Zeiten, die ihre Eltern in ihrer Jugend liefen, nicht mithalten. Das ist das Ergebnis einer internationalen Vergleichsstudie, in der in Zehnjahresschritten seit 1975 die Laufzeiten von 9- bis 17-Jährigen verglichen wurden.



Im Durchschnitt brauchen Kinder heute 90 Sekunden länger, um eine Meile - also 1,6 Kilometer - zu laufen, als ihre Altersgenossen vor 30 Jahren. Die Fitness im Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-System habe jede Dekade seit 1975 um fünf Prozent abgenommen, so die Forscher. Die Studie, bei der Daten von 25 Millionen Kindern aus 28 Ländern aus den Jahren 1964 bis 2010 ausgewertet wurden, wurde am Dienstag auf einer Konferenz der Amerikanischen Herzvereinigung in Dallas vorgestellt. Es sei die erste Studie, die einen weltweiten Rückgang der Fitness junger Menschen in den vergangenen 30 Jahren festhalte, hiess es.
Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) legen den Schluss nahe, dass 80 Prozent der Kinder weltweit sich täglich nicht genug bewegen. «Viele Schulen haben aus wirtschaftlichen Gründen überhaupt keinen Sportunterricht mehr», so Kinderarzt Stephen Daniels. Der Leiter von Michelle Obamas Programm «Let's Move», Sam Kass, sagte bei der Konferenz: «Wir haben derzeit die am häufigsten sitzende Kindergeneration in unserer Geschichte.»

TV, Gamen und Internet


Die Kinder von heute sind deshalb 15 Prozent weniger fit, als ihre Eltern es früher waren. Der Trend sei bei Buben wie Mädchen sehr ähnlich, sagte der Physiologe Grant Tomkinson. Es gebe aber Unterschiede nach geografischen Regionen. In Europa, Australien und Neuseeland scheine der Fitness-Rückgang zum Stillstand zu kommen, in den vergangenen Jahren vielleicht auch in Nordamerika. In China gehe die Fitness dagegen weiter zurück, in Japan sei sie entgegen dem globalen Trend kaum schlechter geworden.
In China hänge der Rückgang mit der strengen Leistungsselektion in der Schule zusammen - die Kinder müssten einfach viel lernen. Und danach sitzen sie vor dem Fernseher oder dem Computer, um im Internet zu surfen oder Videospiele zu spielen. Tomkinson und Daniels wiesen auch auf Übergewicht hin - wer schwer sei, habe Probleme mit dem Laufen oder gymnastischen Übungen. Dazu komme neben Fernsehen und Computer auch noch das Problem unsicherer Wohnviertel - es gebe nicht mehr so viele Möglichkeiten, in Sicherheit draussen zu spielen.

Auch junge Schweizer sind nicht in Form



Die Eltern haben sich ihre Fitness aus Jugendtagen auch nicht gerade bewahrt, wie andere Studien zeigten. Fitness sei «ziemlich schlecht bei Erwachsenen und noch schlechter bei jungen Leuten», sagte Ulf Ekelund von der norwegischen Schule für Sportwissenschaft in Oslo. Besonders schlecht sei die Fitness in den USA und Osteuropa.
In der Schweiz zeigte eine im September veröffentlichte Studie, dass 17 Prozent der Kinder übergewichtig sind. Vor allem Junge aus ausländischen und bildungsfernen Familien seien stark davon betroffen. Thomas Mattig, Direktor Gesundheitsförderung Schweiz, erklärte damals, dass auch die fehlende Zeit der Eltern dazu führe, dass Kinder mehr vor dem Fernseher sässen und sich ungesund ernährten. Ausserdem würden die Kinder von einem Termin zum nächsten gehetzt, weshalb die Zeit für Spielen im Freien fehle.

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