Dienstag, 4. Juni 2013

Die heutige Jugend

Vorab eine Feststellung:

Es gibt sie nicht, die typischen Jugendlichen von heute.

Verglichen mit früheren ist die heutige Jugendgeneration schwieriger zu beschreiben. Eltern
haben unterschiedliche Erziehungsstile.

Die Peer Groups – verschiedenste Jugendgruppen, in denen sich die Heranwachsenden
bewegen sind kleine Welten für sich.

Wohnorte spielen eine Rolle, Schullaufbahnen ebenfalls. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten.
Es gibt ähnliche, einer bestimmten Zeit zugehörige Eindrücke und Erfahrungen, so etwas wie einen Zeitgeist, der durch die jeweilige politische, wirtschaftliche und kulturelle Situation geprägt ist und damit die Jugendlichen verschiedener Generationen voneinander unterscheidet.

Unterschiedliche Familienformen

Welches sind also die prägenden Ereignisse und Neuerungen, die das Aufwachsen der
heutigen Jugendlichen beeinflusst haben?

Den meisten Familien geht es wirtschaftlich gut, auch wenn (relative) Armut noch
nicht überwunden ist. Im Laufe der letzten 15 Jahre haben Trennungen und Scheidungen weiter zugenommen.

Viele Jugendliche sind somit entweder selber von der Trennung ihrer Eltern betroffen, oder sie werden im Freundes - und Kollegenkreis damit konfrontiert. Heute werden mehr als zwölf Prozent der Familien von einem Elternteil allein geführt. Daneben gibt es zunehmend Patchwork-Familien. Auch wenn Scheidungskinder weniger stigmatisiert sind als früher, lasten die Konflikte der Eltern und oft auch die negativen finanziellen Folgen einer Trennung auf ihnen.

Dennoch müssen schwierige familiäre Situationen nicht zwingend zu einer Hypothek
für die Zukunft der jungen Menschen werden. Der grösste Teil der Jugendlichen wächst
heute als Einzelkind oder mit einem, seltener mit zwei Geschwistern auf. Ihre Mütter
gehen, meistens teilzeitlich, einer bezahlten Arbeit nach. Schon 1990 waren knapp 60
Prozent der Frauen berufstätig, 2006 über 70 Prozent. Ihre Kinder werden von Grosseltern,
Tagesmüttern oder in Tagesstätten betreut, was soziale Erfahrungen ausserhalb der Kleinfamilie ermöglicht.

Kurz: die klassische Familie ist mehr und mehr am Verschwinden.

Gspänli aus vielen Ländern

Ein prägendes Merkmal besteht darin, dass heute praktisch alle Heranwachsenden mit Gspänli gross werden, die als Kind oder deren Eltern in die Schweiz eingewandert sind. Es sind Kinder unterschiedlicher Herkunft, aus Deutschland, Italien, Spanien, Portugal, dem ehemaligen Yugoslawien, Sri Lanka etc. Je nach Familie, Schule, Wohnort und persönlichen Erfahrungen erleben die Jugendlichen das Zusammenleben mit Zugewanderten als völlig normal, vielleicht sogar als interessant und bereichernd, oder aber als konfliktbeladen.
Kinder werden auch durch politische Ereignisse geprägt. Europa hat sich in den letzten
20 Jahren stark verändert. Für heutige Jugendliche sind nicht nur der Ungaren- Aufstand und der Prager Frühling, sondern auch der Berliner Mauerfall, Gorbatschow und Jelzin Geschichte, Ereignisse in grauer, weil nicht selbst (bewusst) erlebter Vorzeit.

Sie haben den Kalten Krieg und die damit einhergehende Bedrohung nicht erlebt.
Dennoch sahen sie im Übermass Bilder von Kriegsgeschehen in Südosteuropa, Afrika,
Irak – und erlebten als Folge auch die Einwanderung von Asylsuchenden und Flüchtlingen.
Auch Klimaerwärmung und Umweltprobleme prägen die Wahrnehmung der Jugendlichen und schärfen hoffentlich ihren Blick für den Widerspruch zwischen Verhalten und Rhetorik.

Handy-Generation

Eine der deutlichsten Veränderungen ist die Informations- und Kommunikationstechnologie,
die den Alltag der heutigen Jugendlichen prägt. Die häufigsten Freizeitbeschäftigungen
von 12- bis 19-Jährigen sind nach eigenen Angaben Musik hören, das Handy nutzen oder Fernsehen.

Erst danach folgen:

Freunde treffen, ins Kino gehen, Sport treiben und faulenzen. Handy, MP3-Player und
PC gehören heute so selbstverständlich zur Grundausrüstung von Jugendlichen, ja von
Kindern, wie man es sich noch vor kurzem nie hätte vorstellen können.

Was bedeutet das für mich?

Ich muss heute als Lehrmeister versuchen, auf die Jugendlichen zuzugehen, sie lernen zu verstehen und selbstverständlich auch Lust auf Neues zu haben. In manchen Sachen kann ich viel von ihnen profitieren und lernen. Die Jugendlichen, die ich und mein Team ausbilden, wollen geordnete Strukturen und eine gute und konsequente Führung, welche sie oft zu Hause bei den Eltern nicht mehr bekommen.
Wir müssen lernen aufeinander zuzugehen, einander zu akzeptieren und respektieren. 
Auch wir von der älteren Generation müssen bereit sein, dazu zu lernen und neue Wege bereit sein, zu gehen. Ist mann für dieses Experiment bereit, stellt sich der Respekt bei den Jugendlichen automatisch ein. 

Fazit:

Die VP Bank ist ein sehr kompetenter Arbeitgeber, welcher Lehrlingen viele Perspektiven für die Zukunft bieten kann. Ich bin sehr glücklich, dass ich bei dieser Bank die IT Lernenden betreuen darf. Es ist ein sehr abwechslungsreiches und spannendes Erlebnis, mit jungen Leuten zusammen zu arbeiten und sie durch ihre Ausbildung zu begleiten. Ich habe bisher sehr viele positive Aspekte erlebt. Einer dieser Aspekte ist die abwechslungsreiche Arbeit und die vielen neuen Herausforderungen mit der sogenannten heutigen Jugend. Die Lernenden haben die Möglichkeit, in einem festgelegtem Turnus von einem Team ins nächste zu wechseln. Selbstverständlich hat bei uns auch jedes Team unterschiedliche Anforderungen und sind dem Lehrplan der Berufs Schule stets angepasst.

Sollte dieses Land, einst gerühmt für seine Ingenieurkunst, seinen Erfindergeist und Zuverlässigkeit verlieren, so liegt das jedenfalls gewiss nicht an seiner "Vergreisung", wie man uns gern erzählt. Sondern am kleinmütigen Umgang mit dem, was eine wirtschaftlich starke Nation ausmacht: mit der Leistungslust (vieler, nicht aller) seiner Bürger. Ich jedenfalls baue auf usere Jugend, denn sie sind unsere Zukunft. Das einzige was wir dazu tun müssen, ist Verantwortung auf sie zu übertragen.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nun, ich denke, dass soziale Kreise wie die Familie oder die Gemeinschaft in einem Dorf oder im Quartier für die heutige Jugend extrem an Wert verloren haben.

Kunz

Anonym hat gesagt…

Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Familie in der Schweizer Mentalität sowieso nicht so sehr als wichtigster Wert gilt wie zum Beispiel in südlichen Ländern. Unabhängig davon, kommt das traditionelle Familienbild in der westlichen Welt sowieso immer seltener zustande. Scheidungskinder gehören regelrecht zur Norm. Interessant ist es jedoch, dass sich Umfragen zufolge viele Jugendliche doch das romantische Bild der Familie zurückwünschen.

Fischer

Heinz hat gesagt…

Die Jugend von heute ist weitgehend überfordert mit den vielen Möglichkeiten, die sich ihr, nicht zuletzt durch die Globalisierung, eröffnen. Vor 50 Jahren waren die Lebenswege ziemlich genau definiert. Sei es über das Geschlecht, den sozialen Stand, den Beruf der Eltern. Heute haben wir keine Einschränkungen mehr. Der Balanceakt zwischen der breiten Palette an Möglichkeiten und der damit einhergehenden Überforderung zeichnet unsere Generation aus.